Die Kundalini-Energie

Spiritualität beginnt im Becken

»Du bist in deinem Sexzentrum, deine Energie ist in dem Sexzentrum. Und von diesem Punkt muss sie sich nach oben bewegen, weit darüber hinaus. Wenn du dieses Zentrum zurückweist, dann kannst du dich immer selbst damit betrügen, du würdest dich vorwärts bewegen, aber du kannst dich nicht vorwärts bewegen. Dann weist du den einzigen Punkt zurück, von dem aus Bewegung möglich ist.« (Osho)

Nach der tantrischen Lehre ruht im Basis-Chakra die Kundalini-Energie, symbolisch dargestellt als aufgerollte, schlafende Schlange. Diese verkörpert unsere ureigene und in uns ruhende Energie. Wird sie aus ihrem Schlaf geweckt, dann wandert sie entlang der Wirbelsäule nach oben und durchläuft dabei die sieben Energiezentren (Chakra/Mz: Chakren). In den unteren beiden Chakren drückt sich die Kundalini in sexueller Energie aus, im dritten zeigt sie sich in Durchsetzungskraft und Willensstärke; auf der Herzebene bis zum Kehlbereich äußert sie sich als Liebe, Mitgefühl, Offenheit und existenzieller Freude; vom Hals aufstrebend wird sie als spirituelle Energie wahrnehmbar, die sich in Stille und Adacht ausdrückt. Hier, in den letzten Chakren, geschieht die Öffnung über den Kopf hinaus ins große Eine, in die große Leere, ins Ganze. Es ist dieTeilhaben am Göttlichen, am Universellen, das Verschmelzen mit dem Höchsten.

Und doch ist diese Öffnung nicht möglich, solange das Herz sich noch in irgendeiner Ecke verschlossen hält. Denn es braucht die ganze Herzenskraft, um nach oben durchzustoßen. Und diese braucht wiederum ein solides Fundament, geformt aus den Kräften des Willens (Solarplexus) und der Sexualität.
Anders ausgedrückt: Spiritualität beginnt im Becken. Denn wenn die Kraft auf der Ebene des Beckens blockiert ist, wird sie niemals höher steigen und Herz und Geist erfassen. Es geht also darum, ganz Unten zu beginnen und die animalische Natur anzuerkennen, damit die Energie im Becken wieder frei fließen kann. Erst dann kann sich unser irdisches Bewusstsein mit dem kosmischen Bewusstsein verbinden und unser Herz mit der Urkraft der Erde. Geist und Materie, Seele und Fleisch, Spiritualität und Sexualität sind nicht mehr länger getrennt, sondern eins. Die Seele ist tief in der Erde verankert, und unser Denken, Fühlen und Handeln werden von höheren göttlichen Energien durchströmt.

Spiritualität beginnt im Becken. Daran führt kein Weg vorbei. Alle sprituellen Sucher, die sich um diese Wahrheit herumdrücken wollen und sich lediglich mit dem Erwachen eines non-dualen Einheitsgefühl im Kopf befassen, laufen Gefahr in die Irre zu gehen. Denn ohne die Kraft, die aus der Wurzel kommt, hat das Streben nach Erleuchtung keine Wirklichkeit und ist ohne Wissen um das Eine: Es gibt nur eine Kraft, ungeteilt, die Göttliche! Und zu zeigen beginnt sich diese Energie im Becken.

Oder mit den Worten Oshos ausgedrückt: »Wenn ihr gegen den Körper kämpft, wird der Körper zur Last. Und wenn ihr euren Körper wie eine Last mit euch herumtragt, werdet ihr niemals zu Gott gelangen.«

 


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